Selbstwertschätzung – die besten Tipps, unseren größten Schatz zu heben

Petra Wagner

Warum ich heute das Thema Selbstwertschätzung gewählt habe? In der Regel versuchen wir, unseren aktuellen Blogbeitrag an unsere aktuellen Erlebnisse anzuknüpfen. So auch in diesem Fall.

In den vergangenen Wochen durfte ich nämlich durch Gespräche und professionelles Coaching mehrfach dabei helfen, dass Verwandte, Freunde und Kunden in Punkten der Selbstwertschätzung, Selbstachtung und Selbstsicherheit neue Wege und Möglichkeiten für sich entdecken konnten.

Wir alle werden bereits in unserer frühesten Kindheit stark von unseren Eltern geprägt. Wenn wir Glück hatten, dann haben sich unsere Eltern und Verwandten liebevoll um uns gekümmert und somit unser Urvertrauen gestärkt. Das Vertrauen darin, dass alles gut wird und dass wir geliebt werden. Geliebt werden dafür, dass es uns gibt und nicht dafür, dass wir etwas tolles gemacht haben. Egal, was passiert – wir werden bedingungslos geliebt. In den ersten Jahren gelingt dies den meisten Eltern auch. Wir wurden als Kind beispielsweise darin bestärkt, wieder aufzustehen. Ganz egal, wie oft wir bereits hingefallen waren. Alle hatten Vertrauen darin, dass wir es schon schaffen werden.

Aber dann geht es irgendwann los. Alle Eltern kennen wahrscheinlich folgende Sätze:

  • Wie, dein Kind kann noch nicht laufen? Wie alt ist es denn? Mein Sohn konnte schon mit 11 Monaten laufen.Selbstwertschätzung lernen
  • Echt jetzt, ihr lasst euer Kind immer noch bei euch im Bett schlafen?
  • Meine Tochter war aber schon mit 2 Jahren trocken.

Irgendwann kommt das Umfeld und beginnt Glaubenssätze zu „installieren“. Meist fühlt sich dann die Mutter schon einmal nicht „gut genug“. Wenn beide Elternteile arbeiten gehen, dann wird auch noch ein schlechtes Gewissen gesellschaftlich verankert. Sobald die Kinder das zweite Lebensjahr erreicht haben, erleben sie diese Sprüche selbst auch mit. Oft wird schließlich in der Gegenwart der Kinder über sie gesprochen. Es gehört schon viel Mut und Wissen der Eltern dazu, sich gegen diese Sätze „zur Wehr zu setzen“ und der eigenen Intuition und Liebe zu vertrauen.

Aber die Eltern können ihre Kinder auch nicht immer vor den Einflüssen der Umwelt bewahren. Sie treffen sich mit Freunden, gehen in die Kita und später zur Schule. Auch dort werden immer wieder Bemerkungen fallen, die auf bereits vorhandene Glaubenssätze einzahlen oder neue hervorbringen. Sätze, denen geglaubt wird. Sätze, die einmal gefallen sind und von der betroffenen Person dann verallgemeinert werden. Die damit einhergehenden Gefühle bleiben bestehen und in ähnlichen Situationen oder auch in völlig anderen kommen diese Gefühle wieder hoch und machen unser Selbstwertgefühl ganz klein.

Ich kann mich beispielsweise noch heute recht lebhaft an eine Situation aus meiner Kindergartenzeit erinnern. Ich muss damals so ungefähr 5 oder 6 Jahre alt gewesen sein. Eines der anderen Kindergartenkinder hatte wohl einen schlechten Tag und hat mich wegen meines Lachens ausgelacht. Das hatte mich damals ungemein gekränkt und verunsichert. In ganz vielen Situationen in den darauf folgenden Jahren habe ich mich dann nicht getraut, herzhaft (und laut) zu lachen. Heute, Jahre später, mag ich mein Lachen und viele andere mögen es auch. Und die, die es nicht mögen, tja – das ist deren Problem

Unsere manchmal total verrückt entstandenen Glaubenssätze machen uns das Leben oft echt schwer. Das total verrückte daran ist aber eigentlich, dass wenn wir erst einmal etwas negatives über uns glauben, wir auch immer nach Beweisen für die Richtigkeit suchen. Unser Selbstwertgefühlt bekommt natürlich bei jeder Bestätigung einen weiteren Dämpfer. Das  Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen in uns selbst sinkt weiter ab.

Selbstwertschätzung hat eine hohe Relevanz„Du bist mutiger als du glaubst, stärker als du scheinst und intelligenter als du denkst.“

Alan Alexander Milne

 Solange uns diese Gedanken und Gefühle jedoch nicht bewußt sind, ist keine Veränderung und Linderung möglich. Ich glaube, eine der wichtigsten Aufgaben, die wir haben im Leben, ist zu prüfen, wie wir mit uns selbst reden. Gehen wir wertschätzend und liebevoll mit uns selbst um? Beschimpfen wir uns regelmäßig, wenn etwas nicht geklappt hat. Was denken wir über uns, wenn einen neue Aufgabe vor uns liegt?

Kennt ihr auch folgende Gedanken?

  • … ach ich bin so ein Idiot – pass doch auf
  • … ich habe doch gleich gewußt, dass das nicht klappt
  • … ich bin aber auch zu blöd
  • … ich kann das eh nicht
  • … er / sie mag mich sowieso nicht
  • … ich krieg das nie hin
  • … dafür bin ich nicht klug genug
  • … die anderen sind immer viel ….

Diese Aufzählung lässt sich endlos weiterführen. Die große Kunst besteht jetzt darin, dass euch diese Sätze bzw. Gedanken auffallen. Denn Bewusstsein schafft Möglichkeiten zur Veränderung. Es ist euer erster kleiner Sieg. Sobald ihr zusätzlich anfangt, diese Sätze zu hinterfragen, habt ihr den zweiten Sieg errungen. Was meine ich mit hinterfragen? Folgende Fragen solltet ihr euch sofort stellen, wenn sich euer Kopf mal wieder in den Weg stellen will:

  • Wer sagt das?
  • Stimmt das wirklich?
  • Ist das schon immer so? Gibt es andere Situationen?
  • Was passiert, wenn ich es trotzdem wage?

Einen weiteren Tipp, um eure Selbstachtung auf ein neues Level zu heben, habe ich bei Tony Robbins im Buch „Das Robbins Power Prinzip“ gefunden. Es geht darum, ein „transformatorisches Vokabular“ aufzubauen. Das bedeutet, für Wörter oder ganze Sätze, die negative Gefühle auslösen, Alternativen zu finden und diese ab sofort zu verwenden.

Wenn ich mal wieder etwas tollpatschig gewesen bin, dann sage mir inzwischen: „Ach du bist aber mal wieder ein Schätzelein.“ Grinse mir einen und die Sache ist erledigt. Nützt ja eh nicht mehr, sich aufzuregen oder sich selbst zu beschimpfen – passiert ist passiert. Meiner Selbstachtung tut es zudem einfach nur gut. Warum soll ich auch mein Selbstbewusstsein extra klein halten?

Kennt ihr eigentlich auch die kleinen Teufelchen? Den guten und den bösen? Oder anders ausgedrückt, denn ängstlichen und den mutigen? Vor einiger Zeit kam der Neffe meines Mannes zu uns und erzählte, dass er ein Jobangebot gefunden hat, dass es ihm echt angetan hat. Diese Stellenausschreibung bot die Chance, seit Jahren wieder in seinen geliebten ursprünglich gelernten Beruf des Brunnenbauers einsteigen zu können.

Er erzählte uns ganz enthusiastisch von der Technik, von der Arbeit und ja auch der viel besseren Bezahlung. Seine Augen leuchteten und er strahlte eine wahnsinnige Begeisterung aus. Und dann kamen sie, die kleinen Teufelchen. Einer sagte: „Los bewirb dich! Ruf an!“, dann der andere „Bist du wirklich sicher? Du hast doch einen Job. Bist du auch gut genug? Und überhaupt, diese ganze Unsicherheit!“ Es waren diese ganzen positiven und negativen Gedanken, die wahrscheinlich jeder in solch einer Situation hat. Das Selbstbewusstsein schwankt gefühlt ständig zwischen den Polen hin und her.

Er war bewußt zu uns gekommen, um durch das Gespräch sein Selbstvertrauen zu stärken. Einen Hintergedanken hat er mir dann, nachdem die Bewerbung tatsächlich unterwegs war, noch genannt. Es war ihm klar, dass ich immer mal wieder nach dem Stand seiner Entscheidung fragen würde. Er wollte sich dadurch durchringen und dem guten Teufelchen einen Vorsprung geben. Und tatsächlich gab es ein Vorstellungsgespräch mit sehr positivem Ausgang. Aus ungekündigter Stellung bewirbt es sich einfach sehr viel leichter, da ja nichts zu verlieren ist. Da ist ein selbstbewusstes Auftreten und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten um einiges leichter.

Eine Maxime, die sich mir in den letzten Jahren eingeprägt hat, lautet: Wenn du nicht fragst, dann hast du das NEIN garantiert. Aber wenn du fragst, dann kann es auch ein JA geben. Was hast du also zu verlieren? Diese Denkweise durfte ich aber auch erst lernen. Auch das ist in Ordnung, denn jeder Mensch hat die zur jeweiligen Situation in seinem Leben bestmöglichen Handlungsoptionen zur Verfügung. Mein Selbstwertgefühl war lange Zeit nicht so gut wie es heute ist.

Meine früheren Erfahrungen konnten von neuen Erfahrungen ergänzt oder überlagert werden. Der Fokus durfte sich auf positive Erlebnisse ausrichten und diese abspeichern. Geholfen haben mir dabei Coaches, Mentoren, Freunde, Familie, ehemalige Mitarbeiter und neue Menschen aus dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Mit dem Mut, die eigene Komfortzone immer mal wieder zu verlassen, kamen auch neue Menschen in mein Leben. Diese ermöglichten eine ganz neue Sichtweise auf bestimmte Dinge und auch veränderte Verhaltensweisen. Auf die von mir und die von anderen Menschen. Selbst- und Fremdwahrnehmung können dabei mächtig voneinander abweichen. Eine Neujustierung der eigenen Gedanken und Gefühle nach konkretem und wertschätzendem Feedback hilft gewaltig, den eigenen Selbstwert und das Selbstbewusstsein nachhaltig zu stärken.

Das Selbstvertrauen hat natürlich auch damit zu tun, was wir denken, welche Erwartungen andere Menschen an uns haben. Können wir diese Erwartungen tatsächlich erfüllen? Aber wissen wir denn immer ganz genau, was die anderen von uns erwarten? Oder meinen wir nur, es zu wissen?

Ich glaube, oft ist unser Selbstbewusstsein völlig umsonst im Keller. Wir erwarten meist viel mehr von uns selbst, als es andere tun. Wir beziehen Dinge, die jemand sagt oder auch nicht sagt oder tut, sofort auf uns. Aber meist machen wir das völlig unnötig. Wir sollten viel öfter nachfragen, wie diese Bemerkung gemeint ist. Oft meinen wir ganz genau zu wissen, was der andere gerade denkt oder will. Aber wenn wir es nicht hinterfragen, dann können wir verdammt daneben liegen.

Zusätzlich könnte es auch sein, dass wir etwas zusammen bauen, was überhaupt nicht zusammen gehört. Ein Beispiel gefällig? „Wenn er wegschaut, dann hört er mir nicht zu.“ Ist das wirklich so? Erst wenn wir diese Dinge hinterfragen, dann können wir erkennen, ob nicht vielleicht Dinge zusammengepackt werden, die so nicht wirklich zusammengehören. Wird da etwas verzerrt wahrgenommen? Hat das eine wirklich etwas mit dem anderen zu tun? Siehe auch unter https://isofee.eu/arten-der-kommunikation

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

Søren Kierkegaard

Einen heftigen Dämpfer kann unser Selbstwert auch erhalten, wenn wir uns immer mit anderen vergleichen.

Im Zeitalter der sozialen Medien ist es noch viel leichter geworden, sich zu vergleichen und mit seiner Einschätzung so richtig daneben zu liegen. Der oder die ist so viel erfolgreicher, hübscher, reicher… Doch wir sehen nur das, was wir sehen sollen. Mal ehrlich, wer postet schon seine Fehlschläge? Wir sehen meist nur die Ergebnisse. Die ganze Arbeit im Vorfeld, die falschen Entscheidungen, die Probleme und Zweifel können wir nicht erkennen. Sie gehören aber bei jedem dazu. Sie machen uns Menschen auch aus. Es geht wirklich jedem so. So ist das Leben. Manches klappt und manches eben nicht. Mal läuft es wie geschmiert und mal geht alles daneben. Wichtig ist nur, dass wir uns klar machen, dass dies zum Leben dazu gehört und überhaupt nichts mit unserem Selbstwert zu tun hat.

„Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“

Oscar Wilde

Zum Schluss noch ein paar weitere Tipps, wie ihr euer Selbstbewusstsein stärken könnt:

  1. Komplimente / Lob bewußt annehmen, darüber freuen und manchmal bewußt erfragen
  2. gute Erlebnisse / Erfolge aufschreiben als Erinnerung, wenn der Selbstwert mal wieder im Keller ist als positiven Anker zum Nachlesen
  3. Erfolge feiern und sich selbst Kompliment machen – ihr dürft euch auch selbst feiern, denn Eigenlob stinkt nicht
  4. anderen helfen – die Spiegelneuronen bewirken, dass es euch selbst damit auch viel besser geht und euer Selbstwert ganz automatisch ansteigt
  5. findet heraus, was euch am meisten Spaß macht und das dann ganz oft machen
  6. eigene Stärken finden und sie weiter ausbauen
  7. Fehler sind erlaubt – einfach darüber lachen und lernen, wie sie in Zukunft vermieden werden können
  8. positives Umfeld schaffen

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gigantisches Selbstbewusstsein und eine großartige Portion Selbstachtung.

Anerkennung finden - Anerkennung und Aufmerksamkeit als Motor und Kryptonit der menschlichen PsycheSpiegelneuronen Empathie - In diesem Beitrag erfahren Sie den Zusammenhang