Lösen von Konflikten

Petra Wagner

Lösen von Konflikten – Einen Konflikt zu unterdrücken oder zu verdrängen ist einfach. Doch wie wir wissen, macht das die Situation meist nur noch komplizierter und ein Konflikt kann sich verhärten. Eine Konfliktsituation adäquat zu lösen ist hingegen viel schwieriger. Eine Einigung ist nur möglich, wenn sich die beteiligten Konfliktparteien auf Augenhöhe begegnen und die gleichen Rechte erhalten. Je nach Eskalationsstufe des Konfliktes ist es jedoch ratsam, sich externe Hilfe eines unabhängigen Mediator zu holen.

Die Dynamik von Konflikten

Jede Auseinandersetzung und jeder Konflikt unterliegt einer gewissen Dynamik. Werden sich die Konfliktparteien nicht rechtzeitig eines Konfliktes bewusst, so kann durch eine falsche Reaktion auf die ersten Anzeichen eine Eskalation drohen. Zu solchen Reaktionen gehören typischerweise Verdrängung, Abwehr, Schuldzuweisungen oder verbale Angriffe. Auf diese Reaktionen folgen weitere Reaktionen, drauf wieder neue und so weiter.

Der Konfliktforscher Friedrich Glasl vergleicht diese Dynamik sehr passend mit einem schnell bergab fließenden Fluss in einem Gebirge.

„Wir geraten in den Strudel der Konfliktereignisse und merken plötzlich, wie uns eine Macht mitzureißen droht. Wir müssen all unsere Sinne wach halten und sehr überlegt handeln, damit wir uns nicht weiter in die Dynamik des Konflikts verstricken“ (Glasl 2017: 39).

Die Konfliktparteien geraten fast unweigerlich in eine gefährliche Eskalationsspirale, wenn es ihnen nicht gelingt innezuhalten und der Negativdynamik konstruktiv entgegenzuwirken. Die Eskalationsstufen folgen dabei mehr oder weniger einem allgemeingültigen Muster und umfassen laut Glasl insgesamt neun Stufen:

  1. Verhärtung der Meinungen und Standpunkte
  2. Polarisation des Denkens, Fühlens und Handelns
  3. Schaffung von Tatsachen, Rückgang der Empathie
  4. Abwertung der anderen Seite, Suche nach Verbündeten
  5. Selbstgerechtigkeit, sowie Entlarvung und Diskreditierung des „Feindes“
  6. Drohstrategien, Tunnelblick und Neigung zu irrationalem Verhalten
  7. Dehumanisierung des Gegners, Legitimierung von Gewalt, begrenzte Gewalt
  8. Zersplitterung und Vernichtung des Gegners als Bedingung des eigenen Überlebens
  9. Totale Konfrontation, auch um den Preis der eigenen Vernichtung

Lösen von Konflikten - Mehr erfahren

Umgekehrt ist es aber auch möglich, durch eine freundliche Geste an seinen Gegenüber einen Weg in Richtung der Deeskalation zu gehen.
So kann eine angespannte Situation überwunden und eine produktive Dynamik in Gang gesetzt werden.

Bei den Eskalationsstufen reagieren alle Beteiligten intuitiv und sensibel darauf, was die Gegenseite tut. Mehr unbewusst als bewusst verständigen sich die Konfliktparteien, in welcher Eskalationsstufe sie sich aktuell befinden. Sobald die für eine Stufe typischen, ungeschriebenen Regeln verletzt werden, kann eine gewisse Schwelle überschritten werden und es steigert sich in die nächste Eskalationsstufe. Auf der anderen Seite sorgt die Einhaltung der Regeln dafür, dass Voraussetzungen für eine schrittweise Deeskalation geschaffen werden können.

Die Dynamik von Konflikten mit den Eskalationsstufen kann auch gut erklären, weshalb einmal erreichte Lösungen von Konflikten so fragil sind. Es bleiben nach einer Einigung immer negative Erinnerungen, Ängste, verfestigte Vorurteile und gegebenenfalls Traumata zurück. Eine einfache Vereinbarung zwischen Konfliktparteien kann ungenügend sein, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und aus der Eskalationsdynamik wieder herauszufinden. All zu oft können längst überwunden geglaubte Auseinandersetzungen wieder auftreten und die Spirale der Eskalation wieder zum rotieren bringen. Deshalb ist gerade bei großen Konflikten eine emotionale, sozio-kulturelle und eventuell sogar politisch-juristische Nachbereitung sehr wichtig.

Konfliktbearbeitung und Konfliktlösung

Die großen Konflikte der Welt lassen sich nur schwer aus unserem Büro heraus lösen und wir haben nur begrenzten Einfluss darauf. In unserer direkten Lebenswelt hingegen können wir starken und direkten Einfluss auf unsere „Alltags-Konflikte“ nehmen. Im Folgenden wird eine einfache Methode beschrieben, mit der die meisten Konfliktsituationen in unserem täglichen Leben gelöst, oder zumindest entschärft, werden können. Es geht dabei um drei vermeintlich simple Schritte, die aber in der Umsetzung schwieriger sein können als erwartet. Grundvoraussetzung ist dabei, dass auf allen Seiten eine Grundbereitschaft vorliegt, eine Lösung oder einen Kompromiss finden zu wollen und allgemeine Gesprächsregeln eingehalten werden.

  1. Wahrnehmen des Konflikts:

Alle am Konflikt Beteiligten erkennen an, dass sie sich aktuell in einer Auseinandersetzung befinden. Sie nehmen wahr, dass das Verhalten der Konfliktparteien sich widerspricht und es tiefer greifende Unstimmigkeiten gibt. Worum geht es in dem Konflikt eigentlich? Was ist an der Oberfläche zu sehen? (vgl. Auch das Eisberg-Modell) Dieser Schritt klingt erst einmal banal, doch wenn ich nichts wahrnehme, kann ich auch nichts verändern. Dies legt die Grundlage, um eine Ebene tiefer zu gehen.

  1. Deutung des Konflikts:

Nun gehen wir unter die Oberfläche an das Verborgene. Alle Beteiligten versuchen, ihre Emotionen und (unerfüllten) Bedürfnisse zu erforschen und zu klären. Darüber hinaus versuchen sie, die auftretenden verschiedenen Meinungen als solche zu akzeptieren und die Meinungen ihrer Konfliktpartner nachzuvollziehen. Durch den Perspektivwechsel kann wahrhaft miteinander kommuniziert werden. Dieses echte Interesse an seinem Gegenüber ist der fruchtbare Boden, auf dem eine mögliche Lösung gedeihen kann.

  1. Suche nach einer möglichen Lösung:

Nachdem die verschiedenen Konfliktebenen durchdrungen sind, wird versucht eine Lösung zu finden. Alle Beteiligten sammeln hierfür Vorschläge und situationsbezogene Alternativen. Auf dieser Grundlage wird versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden. Die Lösung kann ein Kompromiss sein, wobei jede Seite auf einen Teil ihrer Interessen verzichtet. Oder es ist eine konstruktive Einigung, die alle Interessen berücksichtigen kann.

Für einen Konflikt gibt es nicht immer eine unbedingt einfache, sofort ersichtliche Lösung im Sinne eines Kompromisses und einer Vereinbarung. Es kann aber auf jeden Fall versucht werden, die konfliktfördernden Bedingungen zu ändern und der Eskalationsspirale gemeinsam zu entkommen. Dies kann allein schon durch eine Atmosphäre geschaffen werden, in der Probleme offen ausgesprochen werden können und vor allem auch ausgesprochen werden dürfen. Allgemein sollte zudem gelten, dass es bei einer allseits befriedigenden Konfliktlösung keine Sieger oder Verlierer gibt. Die involvierten Konfliktparteien begegnen sich auf Augenhöhe und bekommen die gleichen Rechte, wie ihr Gegenüber.

Glasl, Friedrich (2017): Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater, 11. Auflage, Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag

Konfliktarten - Diese unterschiedlichen Arten von Konflikten gibt es!Lebensmotive - Welche Motive treiben Sie an?